In zwei Wochen startet die 7-tägige Ausbildung zum Burnout Berater im Leibniz Kolleg. Im folgenden Interview mit Dozentin Bianca Meyer kläre ich einige Fragen vorab.

Bianca, du hast selbst eine Praxis für psychologische Beratung. Bald startet deine erste Burnout Berater Ausbildung bei uns. Was ist überhaupt die Kernaufgabe eines Burnout Beraters?

Burnout, zu deutsch „Ausgebranntsein“, bezeichnet eine besonders ausgeprägte Form der Erschöpfung, die sowohl beruflicher als auch privater Natur sein kann. Jahrelange Überaktivität steht oft am Anfang und durch ständigen negativen Stress, wie z. B. zu hohe Erwartungsansprüche, Versagensängste, chronische Überbelastung, ständige Frustration und Selbstzweifel kann es zum Burnout kommen. Im übertragenen Sinne entsprechen die Aufgaben des Burnout Beraters den Aufgaben eines “Erstversorgers”. Er stabilisiert Betroffene, versorgt sie mit Kraft und Energie, damit sie sich anschließend intensiv mit Ursachen und Lösungsansätzen auseinandersetzen können. Dazu benötigt er vielfältiges Hintergrundwissen über psychische und physische Zusammenhänge von Stress, Erschöpfung und Burnout. Mit diesem Wissen kann er dann effiziente und effektive Präventivmaßnahmen einleiten und durchführen.

 Brauche ich für die Ausbildung psychologische Vorkenntnisse?

Die Ausbildung richtet sich grundsätzlich an alle Personen, die verstehen möchten wie es zum Burnout kommt bzw. welche Faktoren eine Rolle spielen und die präventiv tätig werden möchten. Menschen die sich über die Themen Stress, Erschöpfung, Burnout informieren und aufklären lassen oder auch anderen Menschen helfen möchten eine schwere Krise erfolgreich zu meistern. Menschen, die mit dem Burnout Berater ein neues Betätigungsfeld im Gesundheitsbereich suchen oder ihr eigenes Angebot z.B. in der Heilpraktiker Praxis erweitern möchten. Die Ausbildung ist auch für Interessenten aus Unternehmen wie z.B. Betriebsräte und Mitarbeiter aus Personalbereichen geeignet. Aber auch einfach nur die Kollegen, die einem anderen Kollegen beratend zur Seite stehen möchten, werden diese Ausbildung genauso gewinnbringend für sich abschließen wie der Trainer oder Therapeut.

Burnout tritt in allen Sozial-, Berufs-, Alters- und Bildungsgruppen auf. Der Burnout-Spezialist Mathias Burisch notierte 130 Symptome für einen Burnout. Dies macht deutlich wie viele der krankhaften Reaktionen aus der großen Zahl von Stressoren als ursächliche Belastungsfaktoren einwirken können. Erschütternd ist meines Erachtens auch die Tatsache, dass es bereits ein stetigen Anstieg bei Kindern in der Altersgruppe 9-10 Jahre und ab 16 Jahren mit Burnout gibt. Ein psychologisches Grundwissen ist nicht notwendig, da der Kursinhalt für Anfänger gestaltet ist. Die Arbeit mit Burnout Patienten erfordert allerdings ein großes Maß an Einfühlungsvermögen und eigener seelischer Stabilität, deshalb sollte der Teilnehmer selbst sich nicht in psychotherapeutischer Behandlung befinden und nur an diesem Seminar teilnehmen, wenn er den Burnout überwunden hat. Unsere Voraussetzungen für diese Ausbildung sind ein Mindestalter von 21 Jahren und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Studium. Einfühlungsvermögen, Freude am Umgang mit Menschen und die Fähigkeit bzw. Bereitschaft zur Selbstreflexion sollten hierfür Grundvoraussetzung sein.

Mit welchem praktischen Wissen verlasse ich die Ausbildung?

Die Schwerpunkte dieser Ausbildung liegen in der Prävention und der Zusammenstellung eines sogenannten „Erste-Hilfe-Pakets“ sowie dem Verstehen der Zusammenhänge zwischen den physischen und psychischen Abläufen. Die Teilnehmer sollen in der Praxis mit den richtigen Methoden reagieren und somit die richtigen Wege mit ihren Klienten beschreiten können. Sie sollten in der Lage sein Zusammenhänge zu erkennen und Ursachen zu verstehen, um wichtige Präventivmaßnahmen für die Betroffenen zu benennen und optimale, individuelle Präventivkonzepte zu erstellen. Der Burnout Berater soll betroffene Personen bei Ihrem Gesundungsprozess begleiten und unterstützen können.

Das ist viel Wissen in nur einer Woche. Bekomme ich zwischendurch ein kurzes Feedback über meine Leistung und die Umsetzung?

Die Ausbildung besteht aus einem theoretischen Teil sowie vielen praktischen Übungen, die in Einzel- und Gruppenarbeit durchgeführt werden. Die einzelnen Unterrichtstage sind so gestaltet, dass sich Theorie und Praxis immer wieder abwechseln. In dieser Ausbildung sind zwei Überprüfungen enthalten: Zum Einen der Seminarleiterschein für Autogenes Training, hier müssen die Teilnehmer einen Seminarplan sowie Kurseinheiten erstellen und durchführen. Zum Anderen der Abschluss der Ausbildung, der die Überprüfung und Durchführung einer von den Teilnehmern selbst erstellten Therapieeinheit darstellt.

Der Seminarleiterschein für das Autogene Training ist in der Ausbildung enthalten. Wieso ist dieses Thema so wichtig für die Arbeit mit Burnout-Erkrankten?

Ja, der Seminarleiterschein für das Autogene Training ist mit einer der wichtigsten Punkte dieser Ausbildung. Da es die perfekte Art der Hilfe zur Selbsthilfe für mich darstellt. Das Autogene Training ist eine sehr bewährte Entspannungstechnik gegen das Burnout- Syndrom. Es hat sich in der Prophylaxe und Therapie des Burnout-Syndroms seit vielen Jahren bereits bestens bewährt. Das Schöne ist, dass dieses Entspannungsverfahren ohne Therapeuten oder weitere Hilfsmittel weiterhin von den Betroffenen durchgeführt werden kann, da es nach dem richtigem Erlernen an jedem Ort einsetzbar ist.

Hast du einen kleinen Tipp zur Vorbeugung gegen Burnout den jeder von uns beherzigen kann?

Ich denke, dass es wichtig ist, sich immer etwas Zeit für sich und seine eigenen Bedürfnisse bzw. Freuden zu nehmen. Zum Beispiel habe ich mir angewöhnt, dass ich das Handy jeden Abend ab einer bestimmten Uhrzeit komplett ausschalte und mir so für die mir privat wichtigen Dinge Zeit nehme. Sei es um ein paar gute Seiten eines Buches zu lesen, schöne Musik zu hören, zu meditieren, mit meinen Liebsten in Ruhe zu Essen.

Bianca Meyer ist psychologische Managementtrainerin, Entspannungstrainerin, Jikiden Reiki „Shihan“ Lehrerin und nimmt immer wieder an Fortbildungen im Bereich der Psychologie teil. Im Leibniz Kolleg Hannover ist sie seit 2016 als Dozentin tätig

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